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Georg Witkowski

Von Menschen und Büchern. Erinnerungen 1863-1933

 
1863-1939
Professor für deutsche Literatur an der Universität Leipzig, Literaturkritiker, Mitbegründer der Gesellschaft der Bibliophilen und des Leipziger Bibliophilen-Abends, 1933 Lehrverbot, 1939 im holländischen Exil gestorben
 
1863 11. September: Georg Witkowski wird in Berlin, Friedrichstraße 141c geboren. Seine Eltern sind Ignaz Witkowski (1837-1912), Bankier, später Versicherungsagent, und Julie Latz (1844-1879).
1865 7. Januar: Geburt des Bruders Paul.
1869 29. Juni: Geburt des Bruders Max.
1870 Ostern: Beginn des Schulunterrichts auf einer Privatschule.
1871 September: Umzug der Familie in eine repäsentative Wohnung in der Leipziger Straße 10.
Oktober: Witkowski kommt auf das König-Wilhelm-Gymnasium.
1873 Im großen Börsenkrach verliert die Familie fast das gesamte Vermögen und muß in eine kleinere Wohnung in der Hildebrandschen Privatstraße am Tiergarten umziehen.
1877 Nach weiteren fehlgeschlagenen Börsenspekulationen verliert der Vater sein restliches Vermögen.
Oktober: Umzug der völlig verarmten Familie nach Leipzig, Bezug einer Wohnung in der Emilienstraße 28 (später Nr. 13). Die Familie lebt zunächst von einer Rente, die Witkowskis Großvater bereitstellt.
Witkowski besucht die Nikolaischule.
1878 Der Vater wird Generalvertreter der Versicherungsgesellschaft »Fortuna« für Sachsen und Thüringen und erwirbt allmählich wieder einen gewissen Wohlstand.
1879 16. Februar: Tod der Mutter im Alter von 34 Jahren.
1883 22. März: Witkowski erhält das Reifezeugnis der Nikolaischule.
Oktober: Beginn des Studiums an der Universität Leipzig.
1884 April: Fortsetzung des Studiums an der Universität München (Geschichte der deutschen Sprache, Philosophie, klassische Philologie und Geschichte).
1886 Ostern: Abschluß des Studiums in München.
Promotion »summa cum laude« mit einer Arbeit über Diederich von dem Werder.
1888 Mai: Witkowski nimmt erstmals an einer Tagung der Goethe-Gesellschaft in Weimar teil.
1889 Habilitation an der Universität Leipzig mit einer Arbeit zur »Geschichte der anakreontische Dichtung in Deutschland«.
Zulassung als Privatdozent für deutsche Sprache und Literatur.
1896 27. Februar: Übertritt zum Christentum.
Berufung zum außeretatmäßigen Ordinarius.
1899 1. Januar: Gründungsmitglied der Gesellschaft der Bibliophilen.
23. Mai: Heirat mit Petronella (Pietchen) Pleyte, der Tochter des Direktors des Niederländischen Antikenmuseums in Leiden.
Umzug in eine Wohnung in der Lessingstraße 9.
1900 30. April: Geburt der ersten Tochter Katharina Elisabeth (Käthe).
Wahl zum stellvertretenden Vorsitzenden der Gesellschaft der Bibliophilen; Witkowski übt diese Funktion bis 1932 aus.
1901 20. Oktober: Geburt der zweiten Tochter Johanna Natalie (Hannie).
1904 2. Februar: Gründungsmitglied des Leipziger Bibliophilen-Abends.
April: Umzug in eine Wohnung im Haus Gottsched- Ecke Thomasiusstraße.
1905 12. Mai: Als literarischer Sachverständiger in Prozessen wegen Verstoßes gegen § 184 StGB (»Schmutz- und Schund-Paragraph«) erwirkt er Freispruch für Frank Wedekind in Sachen »Die Büchse der Pandora«.
Witkowski wird Vorsitzender des Leipziger Bibliophilen-Abends (bis 1911).
1906 Die erste Auflage seiner kommentierten Ausgabe von Goethes »Faust« erscheint (8 Auflagen bis 1928, eine 9. Auflage erscheint 1936 in Leiden).
1908 1. September: Umzug in das eigene Haus Ehrensteinstraße 20 in Gohlis, wo die Familie bis 1939 wohnt.
1909 Witkowski wird - bis 1914 gemeinsam mit Carl Schüddekopf - Herausgeber der »Zeitschrift für Bücherfreunde« (bis 1933).
Seine »Geschichte des Literarischen Lebens in Leipzig« erscheint aus Anlaß des 500. Gründungstages der Universität.
1912 16. März: Tod des Vaters.
1914 Mai: Eröffnung der Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik (BUGRA), an deren Vorbereitung Witkowski mitbeteiligt gewesen war.
9. Mai: Einweihung des von Witkowski initiierten Schiller-Denkmals in Leipzig.
August: Witkowski meldet sich als Kriegsfreiwilliger, wird aber wegen seines Alters abgewiesen. In den Folgejahren organisiert er zahllose Vorträge in Leipzig und Umgebung und erhält dafür das Kriegsverdienstkreuz.
1920 Witkowski ediert für den Insel-Verlag Georg Büchners »Woyzeck« erstmals nach der Originalhandschrift.
1921 November: Als literarischer Sachverständiger erwirkt er vor dem Berliner Landgericht einen Freispruch für Arthur Schnitzler in Sachen »Reigen«.
1922 23. März: Heirat der Tochter Johanna Natalie (Hannie) mit Werner Bondi.
Ernennung zum etatmäßigen außerordentlichen Professor.
1923 7. Februar: Geburt der Enkeltochter Anna Veronica Bondi.
1925 7. April: Heirat der Tochter Katharina Elisabeth (Käthe) mit Hans von Loewenberg.
18. Juli: Geburt der Enkeltochter Maria Dorothea Bondi.
1927 Mitglied im Ehrenausschuß der Internationalen Buchkunst-Ausstellung (IBA).
1929 30. August: Geburt der Enkeltochter Erika Renate Bondi.
1930 7. August: Ernennung zum persönlichen Ordinarius.
1931 30. September: Termin der ordentlichen Emeritierung. Da sich kein Nachfolger findet, wird Witkowskis Universitätsdienst mit seinem Einverständnis für zwei Jahre verlängert.
1932 Verleihung der Goethe-Medaille.
1933 29. September: Versetzung in den Ruhestand.
1934 Entzug des Ruhegehaltes.
Februar: Im Abstand von wenigen Tagen sterben Witkowskis langjährige enge Freunde Gustav Kirstein und Fedor von Zobeltitz.
1937 Sommer: Reise zu seiner Tochter und ihrer Familie nach England. Im September kehrt Witkowski nach Leipzig zurück.
30. Oktober bis 12. November: Witkowski befindet sich in Gestapo-Haft, nachdem an ihn gerichtete Briefe »staatsfeindlichen Inhalts« aufgefangen wurden. Nach mehreren Verhören wird er wieder entlassen.
Jahresende: Beginn der Niederschrift seiner Autobiographie (fertiggestellt im September 1938).
1939 9. Mai: Ausreise zu Verwandten nach Holland.
21. September: Drei Wochen nach Beginn des Zweiten Weltkriegs stirbt Georg Witkowski in Amsterdam.